Phantomsensationen nach einer Amputation


Viele Menschen, die eine Amputation hinter sich haben, kennen Phantomsensationen. Sie unterscheiden sich von den ebenfalls bekannten Phantomschmerzen.

Sind das wirklich Sensationen?

Die entfernten Gliedmaßen melden sich mit fast regelmäßig auftauchenden Missempfindungen, die sich in der nun fehlenden Extremität abspielen. Diese Phänomene werden als Phantomsensationen bezeichnet und von 50 bis 90 % der Amputierten erlebt. Dabei spielt das Alter eine wichtige Rolle: Je älter die Betroffenen sind, desto eher treten die Wahrnehmungen auf. Diese Gefühlsempfindungen werden durchaus real erlebt.

Um welche Gefühle handelt es sich?

Bei  Phantomsensationen geht es um die Wahrnehmung (nicht um den Schmerz), dass der amputierte Körperteil noch ganz oder teilweise vorhanden ist und sich auch bewegt.

Es wird zwischen kinästhetischen, kinetischen und interozeptiven Empfindungen unterschieden. Bei kinästhetische Sensationen wird die Lage, Länge und/oder auch das Volumen des nicht mehr vorhandenen Körperteils gespürt. Dies kann zum Beispiel in Form von Kribbelgefühle auftreten. Kinetische Phantomgefühle sind Gefühle in den amputierten Gliedmaßen, die sich wie reale Bewegungen anfühlen. Interozeptive Empfindungen fühlen sich wie Druck- und Kältegefühle an.

Woher kommen diese Gefühle?

Der Körper der Betroffenen versucht, mit der Amputation zurechtzukommen. Das zentrale „Körperschema“ im Gehirn wird jedoch in einigen Fällen aufgrund des Wegfalls großer Nervenbereiche durcheinandergebracht. Das Gehirn ist dann mit der Situation überfordert. Fehlende Nerveninformationen aus den amputierten Gliedmaßen erfordern die Organisation neuer Reizleitungssysteme. Die Empfindungen müssen sich neu voneinander abgrenzen. Mithilfe von myoelektrischen Prothesen, Elektroden und Medikamenten kann man den Betroffenen oft sehr wirksam helfen.

Welche therapeutischen Möglichkeiten bieten sich an?

Bei beidseitigen Amputationen stellen sich die Phantomsensationen auf der dominanten Seite stärker ein, wie zum Beispiel bei Rechtshändern. Da die Erinnerung an das amputierte Glied verblasst, verblassen auch die Empfindungen zu einer sogenannten Phantomschrumpfung. Phantomgefühle verursachen selten größere Probleme, daher sind meist keine therapeutischen Maßnahmen erforderlich.

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