BMI-Messung mit fehlenden Körperteilen


Menschen mit Amputationen oder Dysmelien werden das Problem kennen. Wie wiege ich mich, und wie finde ich heraus, ob mein Gewicht dem Normwert entspricht, wenn mir Körperteile fehlen? Wie viel wiegt ein Bein? Oder ein Arm?

Der Body-Mass-Index zur Bestimmung des Normalgewichts

Normalerweise lassen sich Gewichtseinstufungen über den Body-Mass-Index (BMI) relativ aussagekräftig einschätzen. Die allgemeine Gewichtseinstufung für Erwachsene anhand des BMI (laut WHO) ist wie folgt:

BMI < 18,5                  Untergewicht

BMI 18,5 – 24,9          Normalgewicht

BMI 25 – 29,9             Übergewicht

BMI 30 – 34,9             Adipositas Grad I

BMI 35 – 39,9             Adipositas Grad II

BMI ≥ 40                     Adipositas Grad III

Doch durch die fehlenden Körperteile wird dieses Ergebnis logischerweise verzerrt. Um dieses Problem zu lösen, wurden spezielle BMI-Rechner entwickelt, die das Gewicht des fehlenden Körperteils additiv ergänzen. Doch was taugen diese Programme, und welche Unterschiede gibt es zwischen den einzelnen Anbietern?

Spezielle BMI-Korrekturwerte für Amputierte

Tatsächlich existieren sogenannte Korrekturwerte, also Messungen, die angeben, wie viel Gewicht rechnerisch ausgeglichen werden muss. Diese werden dann in die gängige Formel eingebettet und das Ergebnis mit der BMI-Tabelle abgeglichen – et voilà: So wissen wir, ob wir im Normbereich liegen. Aber funktioniert das wirklich? So soll beispielsweise ein fehlender Arm mit 11,5 kg in die Formel eingehen, während für einen Fuß ein Standardwert von 1,8 kg festgelegt wird.

Kritische Würdigung des BMI

Nun kann man sich natürlich vorstellen, dass nicht jeder Oberschenkel gleich viel wiegt und diese Standardwerte sehr unspezifisch sind. Es ist eine behelfsmäßige Lösung. So berichten Amputierte, dass sie laut BMI-Rechner als stark übergewichtig eingeschätzt werden, obwohl alle anderen Parameter dagegen sprechen. Das kann besonders bei pflegebedürftigen Personen fatale Folgen haben, wenn sich aus dieser Berechnung dann konkrete Behandlungsschritte ableiten. Andere Amputierte sind wiederum sehr zufrieden mit dem Ergebnis und empfinden es als wahrheitsgetreu. Insgesamt lässt sich jedoch festhalten, dass das Konzept des BMI ohnehin umstritten ist, da es Faktoren wie Muskelmasse oder Körperfettverteilung sowie bestimmte Erkrankungen und eben auch Amputationen nicht ausreichend beachtet.

Was nun? – Zu den Lösungsansätzen

Leider lässt sich feststellen, dass auch die Idee, sich mit Prothese zu wiegen, keine valide Lösung darstellt. Denn das Prothesengewicht kann stark variieren und entspricht oft durch zusätzliche Bauteile wie Akkus oder Motoren nicht dem Originalgewicht des fehlenden Körperteils.

So kann abschließend gesagt werden, dass die BMI-Messung zwar bei Amputationen nicht immer zu richtigen Ergebnissen führt, dies jedoch auch nur ein Parameter von vielen ist und generell empfohlen wird, immer mehrere relevante Werte einzukalkulieren. Deutlich aussagekräftiger ist beispielsweise das Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang (Waist-to-Hip-Ratio) oder das Verhältnis von Taillenumfang zur Körpergröße (Waist-to-Height-Ratio). So kann Dein behandelnde:r Arzt:in mit Sicherheit auch anhand anderer Untersuchungen herausfinden, ob Dein Gewicht in einem für Dich unschädlichen Bereich liegt.