Peer-Counseling


Beratung auf Augenhöhe

Vielleicht hast Du selbst mal ein Problem oder eine Herausforderung gemeistert und Dir hinterher gedacht: Das würde ich anderen gern ersparen oder zumindest erleichtern. Und genau so funktioniert Peer-Counseling.

Zum Begriff

Der Begriff Peer-Counseling meint so viel wie die Beratung durch Gleichgesinnte – also durch Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. In diesem Fall sprechen Menschen, bei denen eine Amputation schon länger her ist oder denen aufgrund anderer Ursachen Gliedmaßen fehlen, mit Menschen, die erst seit Kurzem amputiert sind. Oft findet das erste Beratungsgespräch bereits im Krankenhaus statt, da viele Fragen und Unsicherheiten bereits direkt nach der Operation auftauchen.

Die Peers geben gerne Tipps bei praktischen Dingen, wie zum Beispiel dem einhändigen Schleifenbinden oder dem einbeinigen Fahrradfahren. Doch sie leisten auch emotionalen Beistand in einer Situation, in der sich viele Menschen sehr allein und unverstanden fühlen. Das stärkt die Entwicklung eines positiven Umgangs mit der erworbenen Behinderung und stellt ein realistisches Rollenvorbild dar – ein Vorbild auf Augenhöhe.

Beantwortung von Fragen

Unmittelbar vor oder nach einer Amputation tun sich viele Fragen auf: Welche Selbsthilfegruppe bietet sich an? Oder, wie gehe ich mit Menschen um, die mich auf der Straße anstarren? Natürlich kennen die Peers nicht für jedes Problem die passende Antwort. Aber durch ihre eigene Erfahrung können sie mit den Betroffenen nicht nur eine große Empathie und tiefgehendes Verständnis aufbauen, sondern meist auch ein Vertrauensverhältnis schaffen, was oftmals durch Ärztinnen und Ärzte sowie Techniker:innen nicht zu erreichen ist.

Peer-Ausbildung

In Deutschland gibt es nur wenige Institutionen oder Organisationen, die Peers ausbilden. Sie werden in der Regel gut geschult und verbinden Professionalität mit der eigenen Betroffenheit. In ihrer Ausbildung erlernen sie Techniken der Gesprächsführung und üben in Simulationen, wie sie in bestimmten Situationen reagieren können. Genauso wie das theoretische Wissen gehört auch die intensive Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Geschichte zur Peer-Schulung.

Erarbeitung realistischer Ziele

Die Beratungsmethode des Peer-Counselings dient auch der Erarbeitung realistischer Ziele. Denn während sich viele Amputierte zunächst mit Leistungssportler:innen vergleichen und dann resignieren, wenn sie es selbst nicht zu den Paralympics schaffen, zeichnen andere ein sehr eingeschränktes Stereotyp eines behinderten Menschen und unterschätzen somit ihr Potenzial.

Du bist nicht allein!

Im besten Fall sollte beim Peer-Counseling also unterstützend und vorurteilsfrei beraten werden, wobei die Erfahrungen der Betroffenen nicht mit der eigenen Geschichte des Peers relativiert werden. Dem:der Patient:in wird vermittelt: Wir sind Verbündete, und Du bist nicht allein!

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