Wie gehe ich mit einer Amputation bei Angehörigen um?


Eine Amputation und deren Konsequenzen betreffen in erster Linie den:die Amputierte:n selbst, doch natürlich schaut das engere soziale Umfeld, also zum Beispiel Freunde:innen und Familie, dabei nicht unbeteiligt zu. Im Gegenteil: Eine Amputation ist für alle eine große Veränderung, und auch die Auswirkungen müssen auf unterschiedliche Art und Weise von allen mitgetragen werden.

Reaktionen aus dem Umfeld

Gerade zu Beginn sind viele Menschen im Umfeld eines:einer Amputierten überfordert und verunsichert. Das kann sich durch Rückzug oder auch durch ein übersteigertes Engagement ausdrücken. Auch wenn die Reaktionen meistens nachvollziehbar sind, empfiehlt sich eines in jedem Fall: Kommunikation. Suche das Gespräch mit dem:der Betroffenen und lege dar, wie Du Dich fühlst. Frage nach, was sich der:die Amputierte für einen Umgang mit seiner:ihrer neuen Lebenssituation wünscht.

Gedankenaustausch

Angehörige von Amputierten müssen auch über eigene Gedanken und Sorgen sprechen dürfen. Denn Themen wie Schuld und Ängste sind häufige seelische Begleiter nach großen Veränderungen und sollten nicht unter den Teppich gekehrt werden. Es ist wichtig, zu wissen, dass niemand – ob direkt oder indirekt betroffen – den Prozess mit sich selbst ausmachen muss. Eine gute Möglichkeit sind Selbsthilfegruppen für Angehörige. Hier wissen alle Teilnehmenden aus eigener Erfahrung, wie es Dir geht. Du kannst Dir Rat holen oder einfach nur loswerden, was Dir auf dem Herzen liegt.

Alltagsbewältigung

In Extremsituationen nehmen sich Angehörige oft zurück und versuchen, den Alltag weiter zu regeln. Das kann manchmal notwendig sein, aber es ist wichtig, darauf zu achten, dass es auch Auszeiten gibt. Der Austausch mit anderen Angehörigen ist dabei ebenso wichtig, wie eigene Bedürfnisse zu kommunizieren und auch Hilfe anzunehmen. Denn die Angehörigen sind nach der Amputation mit vielen Fragen konfrontiert: Wie wird sich der Alltag ändern? Wo müssen vielleicht Abstriche gemacht werden? Und was sind die nächsten Schritte?

Zusätzliche Aufgaben

Oftmals wollen Angehörige sich selbst einbringen und übernehmen Aufgaben, beispielsweise die Begleitung zu medizinischen Terminen, oder auch die Verantwortung, selbst im Internet nach dem richtigen Reha-Programm oder neuen Vorbildern zu suchen. Das ist wichtig – auch für das eigene Gefühl der Selbstwirksamkeit –, dennoch darf man sich selbst dabei nicht vergessen. Da kann es manchmal sogar ratsam sein, sich therapeutische Hilfe zu suchen, um mit der zusätzlichen Belastung umzugehen.

Externe Unterstützung

Zudem gibt es dutzende Beratungsstellen: So organisieren sich Selbsthilfegruppen und Vereine wie der BMAB (Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation e. V.) oder die Amputierten-Initiative e. V., um genau in diesen schwierigen Situationen eine Unterstützung zu sein. Weitere wichtige Anlaufstellen für Angehörige können auch Reha-Teams der Betroffenen oder der Sozialdienst sein.

Berufliche Zukunft

Und bei beruflichen Fragen, die häufig bei der Zukunftsplanung anstehen, können unter anderem die Deutsche Rentenversicherung, das Berufsförderungswerk oder die Agentur für Arbeit zur Seite stehen. Je nachdem, ob der Amputation ein Arbeitsunfall vorausgegangen ist, kommt auch die BGW (Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege) als Informationsquelle zum Tragen.

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