Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitermachen!


Als ich heute gefragt wurde: „wie war das bei Dir eigentlich damals mit Deiner Amputation und wie bist Du wieder in den Sport zurückgekehrt?“, schmunzelte ich. „Damals“ ist gerade 5 Jahre her und bei einer so einschneidenden Veränderung, ist diese Zeit auch noch heute sehr präsent. Gleichzeitig gibt es seitdem so viel Neues in meinem Leben, dass es sich auch wie „ewig her“ anfühlt.

Eigentlich bin ich nicht in den Sport zurückgekehrt, ich habe eher weitergemacht. Eine Tumordiagnose mit Beinamputation stellt das Leben erst einmal auf den Kopf. Alles ist unklar! Kleine Schritte machen, wenn ein ganzer Berg zu hoch ist, so begann ich, jedem neuen Tag eine Struktur zu geben.

Entscheidend aber war der Rückhalt durch meine Familie. Natürlich liefen anfangs manche Tränen, aber schon in der Klinik lachten wir viel miteinander und sei es darüber, wie ich in meiner „eingeschränkten Bettruhe“ kreativ im Rollstuhl über die Flure der Uniklinik zur am weitest entfernten Toilette schlitterte oder umgekehrte Liegestütze am Bettgalgen absolvierte. Bald attackierte ich den Physiotherapeuten der Klinik, bis er mir Gehstöcke verpasste und ich hüpfend mein Umfeld auf das Treppenhaus erweitern konnte und am Lift wartete, um meinen Besuch zu überraschen.

So verbrachte ich mehrere Operationen mit dem Versuch, den Fuß zu erhalten, aber bereits 10 Tage nach Amputation begleitete ich meinen Mann und unser Triathlon-Team beim Wettkampf und konnte sie vom Rollstuhl aus anfeuern. Dass heute alle etwas schneller liefen, motivierte mich, ohne zu ahnen, was in Zukunft möglich sein würde. Ich machte einfach, was ging. 

In dieser Zeit gab es viel zu Lernen, viele Hürden zu überwinden, in allen Lebensbereichen neue Lösungen zu finden. Dabei motivierten mich Menschen, die positiv mit mir mitdenken und mitarbeiten konnten. Sätze wie die meines Orthopäden: „…probiere es aus, Dein Körper zeigt Dir schon, was geht!“ oder meine Trainerin „…in der nächsten Saison brauche ich Dich wieder als Radguide…“ halfen mir, meine Situation zu akzeptieren. Auch meine erste Prothese etwas vorzeitig angepasst zu bekommen, um schnell wieder in meinen Arbeitsalltag zu kommen, brauchte einen unkonventionell denkenden Techniker. Schon ein halbes Jahr später, testeten wir gemeinsam die ersten Laufprothesen.

Möglichkeiten ausloten und Grenzen verschieben, manchmal piesacke ich ihn und wir arbeiten und lernen an den Herausforderungen. Ein Jahr nach der Amputation konnte ich stolz auf meiner ersten Össur-Feder beim Wrings for life wieder 16 km laufen. Inzwischen laufe ich die „richtige“ Lauffeder von Össur (Flex-Run™ with Nike Sole) und wenn es gelingt bis nach Tokio!

Der Sprung ins Wasser - ein Schlüsselmoment

Zehn Wochen nach Amputation! „Jubel, ich kann schwimmen“! Schwimmen war meine schwierigste Disziplin. Erst vor ca. 6 Jahren begann ich, das Kraulschwimmen zu lernen. Beim ersten Sprung ins Wasser war es jetzt so einfach zu schwimmen! Ein Jahr später schaffte ich beim Ironman Roth 3,8 km in unserer Familienstaffel. Heute trainiere ich strukturiert und härter…

Nicht nur, wenn man im Sport an den Grenzen arbeitet, gibt es auch Schmerzen, Verletzungen, Druckstellen, Misserfolge. Es ist die Kunst, eine gute Balance zwischen Belastung und Belastbarkeit zu finden. Manchmal braucht man Geduld, aber niemals gilt es aufzugeben.

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