Dank der modernen Technik ist heutzutage niemand, der eine Extremität durch eine Amputation verloren hat, bewegungsunfähig oder immobil. Selbst Leistungssport ist möglich, der durch innovative Sportprothesen zum persönlichen Ziel werden kann.  

Richtige Prothese für Deinen Lieblingssport 

Wenn von Sportprothesen gesprochen wird, geht es meistens um Ober- oder Unterschenkelprothesen. Die Alltagsprothese ist auf den Grad der täglichen Belastung und das Körpergewicht abgestimmt. Daher ist es wichtig, dass Du mit Deinem:Deiner Orthopädietechniker:in besprichst, ob die Alltagsprothese auch für die gewünschte sportliche Belastung geeignet ist. 

Sport ist gesund und sollte Spaß machen  

Für einige Menschen ist das Wort ‚Sport‘ abschreckend, da es vor allem nach enormer Anstrengung klingt. Dadurch ist es mitunter auch negativ behaftet, was schade ist. Sport mit Prothese ist möglich und auf jeden Fall sinnvoll, denn das Leben mit Prothese an sich hat schon einen gewissen sportlichen Aspekt, da Dein Körper durch das Tragen einer Prothese beim Gehen mehr Energie verbraucht als ohne. Dieser Fakt ist wissenschaftlich belegt. Zudem hast Du durch Sport die großartige Möglichkeit, andere Menschen kennenzulernen. Er kann einen wertvollen Beitrag zu Deiner persönlichen Rehabilitation leisten und dazu beitragen, ein erfülltes und aktives Leben zu führen. Denn sportliche Betätigung verbessert nicht nur die körperliche Kondition – beispielsweise durch Reduzierung von Übergewicht, Muskelaufbau und Verbesserung des Herz-Kreislauf-Systems –, sondern hat auch nachweislich einen positiven Einfluss auf die Psyche und somit auf Deine Lebensqualität. 

Welcher Sport ist der richtige?  

Es müssen ja nicht gleich die Paralympics sein! Die Vielfalt und Auswahl an sportlichen Aktivitäten ist groß – egal ob alleine oder mit anderen zusammen. Du kannst alles ausprobieren! Hattest Du vorher noch nicht großartig etwas mit Sport am Hut, dann ist es einfacher, wenn Du Dir vorab überlegst, was Dich motiviert und welches Ziel Du erreichen möchtest. Egal ob Hobby- oder Leistungssport: Durchhaltevermögen und Ausdauer sind wichtig. Wir haben für euch einige Sportarten aufgelistet, die meistens auch mit einer Alltagsprothese durchführbar sind. 

Nordic Walking 

Das ist eine tolle Sportart für Einsteiger:innen oder für Menschen mit Übergewicht, bei der schnelles Gehen mit dem Einsatz zweier Stöcke kombiniert wird. Ausdauer und Muskulatur werden trainiert, und die Bewegung des Oberkörpers durch die Nutzung der Nordic-Walking-Stöcke lockert Schulter- und Nackenmuskulatur. Dieser Sport ist gut geeignet für Menschen, die nach der Amputation wieder fit werden wollen und das Laufen mit Prothese trainieren möchten. Die korrekte Ausführung beim Nordic Walking verbessert das Gangbild und fördert die Mobilität.  

Radfahren 

Sich aufs Rad zu schwingen, hat gleich mehrere Vorteile: Es ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch praktisch, um in der Stadt schnell von A nach B zu kommen. Zudem bringt es das Herz-Kreislauf-System in Schwung und verbessert die Kondition. Die Muskulatur wird trainiert und die Lungenfunktion gestärkt. Außerdem beruhigt das gleichmäßige Treten ungemein. Für Prothesenträger:innen, die sich das erste Mal wieder aufs Rad setzen wollen, empfiehlt es sich, zuerst auf einem Hometrainer zu üben. Die meisten Prothesen sind fürs Radfahren geeignet, viele haben sogar einen extra Fahrrad-Modus, in dem die Beinprothese frei schwingt und dadurch keinen Widerstand erzeugt. Das macht das Radfahren leichter. Allerdings beeinflussen die Amputationshöhe und die Höhe des Schaftes, wie bequem es auf einem normalen Fahrradsattel tatsächlich ist. Andernfalls ist ein Sattel nach Maß eine Lösung. 

Zudem sollte darauf geachtet werden, dass der Prothesenfuß beim Fahren auf der Pedale bleibt. Ein Schuh mit kleinem Absatz verhindert das Abrutschen des Prothesenfußes. Die sogenannten Klickpedalen, wie sie im Radsport genutzt werden, stellen eine gute und noch sicherere Alternative dar.   

 

Tanzen  

Auch Tanzen ist mit Beinprothese möglich! Die Hüften kreisen lassen, die Füße im Takt vor- und zurückbewegen und ganz in die Musik eintauchen. Tanzen macht Spaß und ist auch noch gesund. Der Stoffwechsel wird durch die Bewegungen angeregt, Kraft und Ausdauer trainiert. Ein positiver Nebeneffekt: Kalorien werden dabei ebenfalls verbrannt! Ein weiterer Vorteil ist, dass gewählt werden kann, ob man alleine eine flotte Sohle aufs Parkett legt, zu zweit oder als Teil einer Gruppe. 

Fürs Tanzen sollte ein gutes Gefühl für die Prothese vorhanden sein. Alles Weitere kann dann zusammen mit dem:der Tanzlehrenden erarbeitet werden, da die individuellen Voraussetzungen sehr unterschiedlich sein können. Also nur Mut und einfach ausprobieren!  

Reiten  

Reiten ist wie Medizin – zumindest sagen das die Pferdebesitzer:innen und -liebhaber:innen. Neben dem Freizeitreiten gibt es zum Beispiel auch noch das Dressur- und Springreiten, das Voltigieren, die Reittherapie und das Heilpädagogische Reiten. Reiten ist auch gut ohne Prothese möglich. Man lässt sich auf eine neue Bewegung ein und entdeckt, was sie mit einem macht. Reiten hilft auch, seine eigene Mitte zu finden, sich in Balance zu halten und eine gesunde Haltung zu bewahren. Entscheidest Du Dich für das regelmäßige Reiten, gibt es die Möglichkeit, den Sattel an die persönlichen Bedürfnisse anpassen zu lassen. Was den Steigbügel angeht, ist darauf zu achten, dass es auf der Seite der Prothese einen Sicherheitssteigbügel gibt, der ein Hindurchrutschen des Fußes oder gar Hängenbleiben verhindert. Wer schon vor der Amputation ein:e routinierte:r Reiter:in war, wird recht schnell merken, was für ihn:sie besser geeignet ist: Reiten mit oder ohne Prothese. Beim Reiten ohne Prothese benötigt man sehr wahrscheinlich Hilfe. In erster Linie in Form eines ruhigen Tieres, einer Aufsteighilfe und/oder einer zusätzlichen Person. 

Stand-up-Paddling 

Eine der Trendsportarten der letzten Jahre ist wohl das Stand-up-Paddling, auch SUP genannt. Auf einem Board stehend bewegt man sich mit einem langen Paddel vorwärts. Es bedarf einiger Übung, um auf dem recht schmalen Brett auf dem Wasser aufrecht und dann noch in Bewegung stehen zu können. Gleichgewicht ist hier alles. Aber genau das trainiert die Tiefenmuskulatur, und auch Bauch-, Rücken- sowie Gesäßmuskulatur werden gefordert. Wichtig für Prothesenträger:innen ist, dass der Schaft fest sitzt und das Ventil dicht ist. Und am allerwichtigsten: Deine Prothese muss für diesen Sport wasserfest sein! Empfehlenswert ist ein Neoprenanzug. Er hält nicht nur warm, sondern auch die Prothese im Hosenbein, falls sich diese ablösen sollte.  

Yoga

Die teils philosophisch-spirituelle Sportart wird heutzutage viel angeboten und praktiziert. Denn Yoga beinhaltet eine optimale Mischung aus Muskelaufbau, Gesundheit und Fitness für Körper und Geist. Für Dich, wenn du eine Armprothese trägst, optimal um zum Beispiel Haltungsschäden vorzubeugen und den Rücken zu stärken. Aber auch wenn Du eine Beinprothese trägst, kannst Du Yoga-Einheiten optimal für Muskelaufbau und Deine (innere) Balance nutzen. Einfach die Matte im Wohnzimmer ausgerollt und mit einem YouTube-Video starten! Beachte, dass die Übungen ggf. abgewandelt werden müsen.

Die Auswahl ist groß, und jede Sportart hat ihre ganz eigenen Herausforderungen und Reize. Aber egal wofür Du Dich entscheidest: Beim Sport mit Prothese sollte in allererster Linie die Prothese an Dich angepasst sein – und nicht umgekehrt. Und am besten steht der Spaß bei allem im Vordergrund. 

Für Sportarten mit höherer Intensität greifst Du möglichst auf Sportprothesen zurück, damit die Energie optimal umgewandelt werden kann. Mehr dazu erfährst Du hier. 

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