„Mein Thailand-Urlaub hat mich nach der Reha-Phase sehr motiviert, wieder fit zu werden. Ich hatte ein konkretes Ziel, das hat es etwas einfacher gemacht. Ich wollte ja mit meinem Freund viel sehen und erleben“, erinnert sich Kathi.
Amputation aufgrund von Krebs
Durch einen Weichteilkrebs in der Kniekehle, der länger unerkannt blieb, musste ihr rechtes Bein Anfang 2022 amputiert werden. „Es fing mit einem geschwollenen Fuß an. Mit einer Freundin wollte ich eine Radtour von Kassel nach Würzburg machen und dachte, ich lass das mal lieber abchecken. Damals hieß es vom Arzt, da wäre eine Zyste in der Kniekehle, das wäre aber nicht weiter dramatisch und die Tour könne ich ruhig antreten.“ Das tat Kathi dann auch. Die Zeit verging, aber der Fuß wurde nicht besser. Sie entschied sich, noch zwei weitere Meinungen (inkl. MRT-Aufnahmen) einzuholen. Aber auch hier lautete die Diagnose Zyste. „Ich dachte mir: Ich bin noch jung, ich kann doch nicht ständig mit einem geschwollenen Fuß leben. Deshalb entschloss ich mich dazu, sie wegoperieren zu lassen. Bei der OP wurde festgestellt, dass es sich gar nicht mehr um eine Zyste handelte, sondern um Weichteilkrebs. Inzwischen war das Gebilde auch von 2 auf 13 cm angeschwollen. Und wie mir der Arzt mitteilte, war es auch höchste Zeit. Hätte ich noch länger gewartet, hätte es schlecht um mich gestanden.“
Volle Unterstützung von Familie und Freund
Eine Amputation und anschließende Chemo waren unausweichlich. Ein Schock für Kathi und ihre Familie. „Anfangs war ich auch ein bisschen sauer, weil man es vermutlich hätte verhindern können, hätten die Ärztinnen und Ärzte sich genauer damit beschäftigt. Aber ich habe mir dann auch gesagt: Das bringt nichts, damit tue ich mir keinen Gefallen und meinem Umfeld auch nicht.“ Auch ihre Familie war zuversichtlich. Schließlich war entscheidend, dass Kathi den Krebs überstanden hatte – und nicht, aus welchem Material ihr Bein von nun an bestehen würde.
Schnell wieder selbstständig mit umgebautem Pkw
Schon früh nach der Amputation legte Kathi großen Wert auf Selbstständigkeit. Sie ließ ihr Auto umbauen, passte den Führerschein an und ging acht Monate später wieder arbeiten. Das Unternehmen, in dem die gelernte Industriekauffrau tätig ist, hatte ihr sofort zugesagt, dass sie auch nach der OP weiter dort arbeiten könne. „Man hat sich rührend um mich gekümmert, angerufen und nachgefragt, wie es mir geht. Mein Chef hat mir sogar einen Fahrdienst eingerichtet, als mein Auto noch nicht umgebaut war. Damit mir die Decke nicht auf den Kopf fällt. Das fand ich wirklich toll. Und ich habe jetzt sogar einen eigenen Parkplatz vor der Firma. Es hat also auch alles Vorteile“, lacht Kathi.
Erfahrungsbericht für Therapierende
„Kathi ist eine sehr aktive und vorbildliche Prothesenträgerin. Sie geht super mit ihrer Amputation um, und jedes Mal, wenn wir uns wiedersehen, kann ich ihre Fortschritte deutlich erkennen. Ihr Gangbild kann physiotherapeutisch wenig verbessert werden, daher gab es schon gemeinsame Fortbildungen, bei denen sie mich beim Schulen von Therapierenden unterstützte und den praktischen Teil darstellte, indem Kathi von ihrer Lebenssituation und ihren Erfahrungen berichtet hat“, erzählt Martin Emde, Kathis Orthopädietechniker des Vertrauens. Er war es auch, der der Nordrhein-Westfälin Tipps zum Reisen mit Prothese geben konnte.
Thailand-Reise mit Prothese
Martin führte vor Antritt der Reise nach Thailand einen Check-up bei ihrer Knieprothese RHEO KNEE XC sowie ihrem Fuß Pro-Flex LP durch, damit sie beruhigt den Urlaub antreten konnte. Sie bekam ebenfalls einen Prothesenpass ausgestellt. „Thailand konnte ich richtig genießen. Ich hatte mir aber um vieles vorher einen Kopf gemacht, und es stellte sich heraus: Ist alles gar nicht so kompliziert. Dort waren alle so hilfsbereit und rücksichtsvoll. Man muss nur mit den Leuten reden und nachfragen.
Das ist auch mein Tipp für eine geplante Reise: Bringt alles in Erfahrung, was ihr wissen müsst. Ruft bei den Veranstaltern an und fragt nach. So weiß man nicht nur selbst Bescheid, sondern die Veranstalter können sich auch darauf einrichten.“