Prothese für Kinder mit Dysmelie
Ist eine Prothese für Kinder mit Dysmelie sinnvoll? Entscheidend sind der Zweck der Prothese sowie die Akzeptanz dafür.
Die Entscheidung für eine prothetische Versorgung bei Kindern mit Dysmelie – also mit einer angeborenen Fehlbildung einer Gliedmaße – stellt eine besondere Herausforderung dar. Denn diesen Schritt zu gehen, oder eben auch nicht, hat weitreichende Auswirkungen auf das Leben des Kindes.
Vorteile einer prothetischen Versorgung
Viele Eltern fragen sich, ab welchem Alter des Kindes eine Prothese sinnvoll ist und wie sich die prothetische Versorgung auf die Entwicklung und das Wohlbefinden auswirken wird. Eine pauschale Antwort gibt es darauf leider nicht.
Eine Versorgung der oberen Extremität kann durchaus sinnvoll sein, um zum Beispiel Rückenprobleme durch den Gewichts- oder Längenausgleich einer Prothese im Kindesalter vorzubeugen oder auch die (sportlichen) Möglichkeiten damit zu erweitern. Das kann allerdings nur funktionieren, wenn das Kind bereit ist, die Prothese zu tragen.
Akzeptanz der Prothese
Somit ist die Akzeptanz des Kindes gegenüber der Prothese entscheidend. Manche Kinder empfinden die Prothese als Bereicherung und nutzen sie selbstbewusst, während andere sie ungern tragen. Es ist wichtig, die Meinung des Kindes ernst zu nehmen und in den Entscheidungsprozess einzubeziehen, sofern es altersgerecht möglich ist. Durch optische Anpassungen, wie Muster und Farben, kann die Begeisterung des Kindes für die prothetische Versorgung durchaus gesteigert werden.
Stumpfformen und Prothesenarten
Für eine gute und sinnvolle Versorgung spielen der Prothesentyp mit den jeweiligen Funktionen sowie Länge und Form des Stumpfes eine große Rolle. Bestimmte Stumpfformen sind mitunter schwierig zu versorgen, was eine Prothese allerdings nicht per se ausschließt. Wenn zum Beispiel einzelne Finger erhalten sind, gibt es unter anderem die Option einer Teilhandprothese.
Zweck der prothetischen Versorgung
Liegt der Fokus lediglich auf dem Gewichtsausgleich oder dem äußeren Erscheinungsbild, so kann auch eine Schmuckprothese ausreichend sein. Soll die Armprothese auch Handfunktionen ausgleichen, lohnt es sich, eventuell auch über eine myoelektrische Armprothese nachzudenken. Sie ist etwas schwerer, da die verbaute Technik natürlich auch ein zusätzliches Gewicht mitbringt. Gleichzeitig können hiermit aber mehrere Griffmuster erlernt werden, die viele Tätigkeiten im Alltag erleichtern. Lass Dich zusammen mit Deinem Kind dazu am besten von einem:einer Orthopädietechniker:in in einem Sanitätshaus beraten.
Austausch mit anderen Betroffenen
Die Vielzahl von Prothesenmodellen und die unterschiedlichen Empfehlungen von Fachleuten können zusätzlich verunsichern. Daher sind für viele Menschen eine gute Beratung und der Austausch mit anderen Familien, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, von großem Wert. Dafür empfiehlt sich die Kontaktaufnahme zu Vereinen wie ahoi e. V. oder dem Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation e. V.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten undsowie Spezialist:innen ist essenziell, um die bestmögliche Entscheidung für das Kind zu treffen. Auch Physio- und Ergotherapeut:innen sollten in den Prozess einbezogen werden, da sie eine wichtige Rolle spielen bei der Entwicklung von Kompensationsstrategien, der Förderung der Motorik und beim Erlernen der Prothesennutzung.